Über Polythea

Vera Zingsem, Dr. Miriam Raven, Mechthild Schmitt und Gudrun Hannak gründeten den gemeinnützigen Verein PolyThea e.V. am 01. Februar 2010 und bildeten den ersten Vorstand.

Was wir wollen, wovon wir träumen

PolyThea e. V. – Akademie für weibliche Spiritualität und postpatriarchale Visionen

Integrativ – interdisziplinär – interkulturell – interreligiös

Verbindet wissenschaftliche Forschung und Reflexion mit spirituell-schamanisch-visionärer Praxis

Gemeinnütziger Verein

Non-profit-organisation

Organisation à but non lucratif

Man muss die Vielfalt der Frauenseele erkennen und anerkennen! – Das taten unsere Vorfahren bereits: Wie vielgestaltig und unterschiedlich im Wesen waren unsere Göttinnen!“

(Vera Prill in: Das Gastmahl der Xanthippe, 1958!)

Die grundlegenden, revolutionären Ergebnisse der modernen Physik weisen den Weg in eine lebenswerte Zukunft, die geprägt ist von Vielfalt und Verbundenheit: Von der Vielfalt in Natur und Kultur und von der Verbundenheit der Menschen untereinander – und mit der Natur.

(Hans-Peter Dürr)

Die Akademie setzt sich zum Ziel die Erforschung, Förderung und Stärkung des weiblichen Lebens auf allen Ebenen der Kultur, insbesondere auf religiös-theologischen, philosophischen und künstlerischen Gebieten.

Sie versteht sich als Anlaufstelle und Sammelbecken für alle Frauen (und Männer), die nach neuen Wegen des Miteinanders innerhalb wie außerhalb der bestehenden Religionen wie auch Gesellschaftstheorien suchen, die in der überwiegenden Mehrzahl nach männlich geprägten Denkmustern und Symbolbezügen ausgerichtet sind.

Sie strebt eine Vernetzung von Frauen aus allen Kulturen weltweit an, um zu neuen Ufern des Frauseins und Frauenwissens zu finden, intellektuell, spirituell wie auch emotional.

Sie führt einen interkulturellen und interreligiösen Dialog im Sinne eines „Weltethos für Frauen“, der sich insbesondere auch mit den Kulturen und der spirituellen Praxis indigener Völker verbinden will, die durch die Dominanz der aktuellen Weltreligionen, die allesamt patriarchalisch geprägt sind, an die Wand gespielt wurden und werden.

In Zeiten, wo mit dem Islam eine zweite monotheistische und zutiefst patriarchal verankerte Religion in der westeuropäischen Kultur Einzug hält und dort ein immer größeres Gewicht zugestanden bekommt, wird es Zeit, dass Frauen sich auf ihre Werte und althergebrachten Symbole und Traditionen rück-besinnen und den männerzentrierten Kulturen die Vielfalt weiblichen Lebens entgegensetzen, wie sie uns nicht zuletzt aus den antiken Texten um die großen Göttinnen entgegenleuchtet. Diese Vielfalt weiblicher Symbolik, weiblicher Größe und Stärke, die das Männliche stets als Gegenüber und Kooperationspartner ansah, wird in den amtierenden Weltreligionen (Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus) aufs Sträflichste vernachlässigt und unterschlagen.

Es ist und bleibt ein Irrtum zu glauben, das Weibliche würde kulturell im Männlichen aufgehen, und Gleichstellung sei schon erreicht, wenn Frauen alles können und dürfen, was Männer sich seit Jahrtausenden allein vorbehalten haben. Abgesehen davon, dass die Gewalt gegen Frauen (und vermeintlich Schwache) in den bestehenden Weltreligionen nie aufgehört hat, wird dabei immer noch vergessen, dass Frauen eigene Werte und Symbole haben, die in unserer Kultur weitgehend unerforscht und daher unberücksichtigt geblieben sind. Weibliches Wissen und Fühlen, wie es uns vor allem auch aus den antiken Göttinnen-Traditionen oder der gelebten spirituellen Praxis „kleiner Religionen“ entgegenkommt, ist bis heute nicht kulturbildend geworden und fristet nach wie vor ein Randdasein im Konzert der Religionen und Philosophien. Es hat an den europäischen Universitäten keine eigenen Fakultäten erhalten, wird dort nicht offiziell gelehrt (außer in vereinzelten Sonderveranstaltungen) und findet sich auch in keinem Schulbuch wieder.

„Gleichstellung“ von Frauen und Männern ist erst dann erreicht, wenn sich auch Männer in gleicher Weise mit Frauenwissen beschäftigen müssen, wie es von Frauen seit Jahrtausenden in Bezug auf männliches Denken verlangt wird. Wenn das, was Frauen denken, wollen und fühlen, nicht länger als Ausnahme von der (männlichen) Regel gilt, sondern politisch wie kulturell wirksam werden kann, ohne erst den Umweg über die – gönnerhafte – Billigung der männlich geprägten Instanzen gehen zu müssen. Dazu sollten Frauen in ihrer ureigenen Forschung und Lehre viel stärker gefördert werden, was hierzulande bis heute kaum der Fall ist.

Aus diesem Grunde setzen wir uns zuallererst für die Gründung eines Instituts „Weltethos für Frauen“ ein, das sich als Forum für den interkulturellen und interreligiösen Austausch weltweit versteht. So wie die Organisation von „Terre Des Hommes“ in „Terre Des Femmes“ ein dringend notwendiges Pendant gefunden hat, so sollte auch die bekannte Tübinger „Stiftung Weltethos“ von Prof. Hans Küng ergänzt, bereichert und relativiert werden durch ein Institut, das sich zuvorderst um die Belange von Frauen (und Kindern) in der Welt kümmert, wissenschaftlich wie praktisch.

Dabei müssen Frauen sich bewusst sein, dass sie eine Gratwanderung zwischen Skylla und Charibdis vollführen. Jahrtausendelang haben Theologie und Philosophie sich unisono darum bemüht, mit dem Begriff „weiblich“ inhaltlich nur das zu verbinden, was „nicht männlich“ ist, wobei alles was als „männlich“ galt, gleichzeitig als höherwertig (auch in moralischem Sinne) verstanden wurde. „Weiblich“ wurde so – inhaltlich gesehen – zum Abfallprodukt des „Männlichen“, ein Schuh, den Frauen sich heute auf keinen Fall mehr anziehen sollten. Stattdessen aber nun – einseitig – den von unserer Kultur ihnen als höherwertig bezeichneten „männlichen“ Pfad beschreiten zu wollen, führt für Frauen ebenfalls nicht weiter, denn so würden sie nur „Männliches“ imitieren und ihre eigenen Belange erst recht aufgeben. Dem in unserer Kultur verordneten – und auch über die Religion vermittelten – „weiblichen“ Minderwertigkeitskomplex entspricht ja auf der anderen Seite ein ebenso wenig realistischer „männlicher“ Grandiositätskomplex, der Frauen wie Männern noch immer das ganze Menschsein vorenthält und für Spaltung statt Integration sorgt, kulturell wie auch innerpsychisch.

Was Frauen – jenseits all dieser überkommenen Zuschreibungen – noch sein und leisten können, ist in unserer Kultur so unbewusst geworden wie die sagenhafte Lilith. Weshalb Vorbilder, wie wir sie in den Göttinnen der Kulturen finden, so eminent wichtig für uns sind. Gleichzeitig eröffnet sich hier ein kreatives Feld, das mit Lust und Liebe beschritten werden kann! Gewinnen können dabei beide, Frauen wie Männer, nur eben auf unterschiedliche Weise. Denn auch für den Mann ist es wenig vorteilhaft, wenn er seine „Anima“ (das Bild der Frau in seiner Seele) nur mit den minderwertigen Frauenbildern „nähren“ kann, die ihm unsere gegenwärtige Kultur bietet.

In Zeiten, wo Moscheen in Westeuropa (und auch hierzulande) eine Selbstverständlichkeit werden und Diskussionen um den Bau von Minaretten geführt werden, gibt es für Frauen noch immer keinen Ort, an dem sie die für sie wichtigen Göttinnen und religiösen Symbole verehren und mit Zeremonien und Ritualen auf vielfältige Weise feiern könnten.

Dies bedeutet, dass wir uns einsetzen wollen für mindestens einen zentralen Tempel, in dem die Vielfalt der Göttinnen(kräfte) in Bildern und Skulpturen gegenwärtig werden kann. Diese Vision hat im Tübinger „Raum für Göttinnenkultur“, der am 10. März 2019 seinen vierten Tempelgeburtstag feiert, einen ersten Anker gesetzt. (Noch besser wäre es natürlich, wenn solche Tempel eines Tages neben Kirchen und Moscheen ihren ganz selbstverständlichen Platz einnehmen könnten!) Nicht umsonst hatte die Ausstellung „Gott weiblich“ (aus Fribourg), die in Deutschland in Rottenburg (2008), Bamberg und Heidelberg (2010) sowie Würzburg (2012) gezeigt wurde, ein so fulminantes Echo hervorgerufen! Solch eine (Wander-)Ausstellung sollte zur Dauereinrichtung werden, mit wechselnden Exponaten. Noch wichtiger ist allerdings, die Göttinnen aus den Museen herauszuholen und sie wieder mit unserer gelebten spirituellen Praxis zu verbinden. Wobei wir uns auch hier für eine Vielfalt im rituellen und zeremoniellen Ausdruck stark machen. Nicht mehr ein Weg, eine Wahrheit, ein Ritus, sondern vielfältige Möglichkeiten – auch innerhalb bereits bestehender Religionen – wollen belebt und erkundet werden. In der Vielfalt liegt die Stärke und viele verschiedene rituelle Zugänge können bewusst nebeneinander bestehen bleiben. So wird lebendiger Austausch – auch zwischen verschiedensten Kulturen – möglich.

Zu fördern sind allerdings vor allem auch Rituale (oder die Entwicklung solcher Rituale), die uns helfen, die weibliche Seite der Wirklichkeit zu verstehen, und uns in die verschiedenen Stadien des Frauseins einweihen, was bei der Feier von Menstruationszeremonien beginnen und bei Erderneuerungszeremonien noch längst nicht aufhören muss. Zeremonien, an denen in den Kulturen, wo sie aktuell noch begangen werden, selbstverständlich auch Männer teilnehmen. So wie sich in der Antike Männer in die Isis-, Kybele- oder Demeter-Mysterien einweihen ließen!

Mit den Vorstellungen vom Göttlichen verbinden sich die jeweils höchsten Werte einer Kultur. In den monotheistischen Religionen, die weltweit unseren Kontinent dominieren, hat sich die Waagschale seit ca. 3 Jahrtausenden einseitig auf die Werte und Symbole des Männlichen gesenkt. Der abwertende Umgang mit den Symbolen der weiblichen Welt vollzog und vollzieht sich dabei auf zwei verschiedenen Ebenen: Er betrifft zum einen Frauen und Mädchen ganz konkret und direkt in ihrer Welterfahrung, zum anderen bezog er sich von Anfang an, symbolisch gesehen, auch auf die Natur, insofern sie (in beinahe allen Kulturen der Welt) als ein weibliches (mütterliches) Wesen vorgestellt wurde. Erst über diesen verhängnisvollen Schritt konnte die Erde und alles, was sie hervorbringt, zur hemmungslosen Ausbeutung freigegeben werden. Überflüssig zu betonen, dass diese Art von „Theologie“ dabei ist, unseren ganzen Planeten zu zerstören. Das Anheben der Waagschale zugunsten des „Weiblichen“ führt somit weltweit zu brisanten politischen wie auch ökologischen Konsequenzen.

Wer sich – wie PolyThea – für die Rehabilitierung des Weiblichen auf allen Ebenen des Lebens einsetzt, tut somit etwas für das Gemeinwohl und den Gesamtzusammenhang der Schöpfung!

Dieser Text wurde verfasst von Vera Zingsem

Interview mit dem Schwäbischen Tagblatt

Aufbau einer spirituellen Akademie für Frauen

Vernetzung und Führen eines interkulturellen und interreligiösen Dialogs „Weltethos für Frauen“.

Schaffung eines oder besser vieler Orte / Tempel, in denen Frauen ihre spirituelle Praxis leben können und in denen die Vielfalt der Göttinnen repräsentiert wird.